Serverkauf

Änderungsstand: 2020-01-06

Bevor man sich einen Server zulegt, sollte man sich einige Dinge überlegen. Ich erkläre die Begebenheiten an meinem eigenem Beispiel und was ich jetzt, nach fast zwei Jahren (Stand 01/2020), anders machen würde.

  1. Benötige ich unbedingt einen Server?
  2. Welche Einsatzgebiete sollen abgedeckt werden?
  3. Ausloten von Anforderungen
  4. Kostenfaktor

Die erste Frage ist schon etwas seltsam. Ich beantwortete diese anfangs mit „nicht unbedingt“. Aber ich wollte auf Biegen und Brechen in dieser Materie einsteigen und habe es bis heute nicht bereut.

Zur Frage 2. Anfangs sollte nur ein einfacher Datenserver her, der meiner ganzen Familie persönliche Netzlaufwerke bereit stellt, um unterm Strich Kosten für jeden einzelnen Rechner zu senken. Bei 5 Rechner ist das dann auch schon denkbar. Aber schnell merkte ich, welches Potential in OMV steckt und das ich mehr möchte als nur einfache Netzlaufwerke :-).  Das ich mich im Vorfeld nicht intensiv genug belesen hatte, war eigentlich nur dumm. Mein erster Einsatz, nach dem erstellen der Netzlaufwerke, war Nextcloud. Sehr schnell gewöhnten sich auch die Kinder daran und es war nicht mehr wegzudenken. Handy’s und Tablett sichern automatisch im eigenen Wlan, nach Konfiguration, die Bilder und Videos. Und auch persönlich bearbeitete Sachen landen jetzt bei den Kindern in die Nextcloud. Schön, wenn es benutzt wird. Als nächstes kam dann meine Frau und Ihre Idee, unsere digitalen Bücher doch irgendwie auf dem Server zu legen. Also Calibre Datenbank erstellt, die Bücher dort abgelegt und mittels Calibre-Web den Zugriff bereitgestellt. Und als alles funktionierte, ging es erst so richtig los. jetzt sollte eine Mediathek her, welche ich mittels Emby realisierte und unsere Familienvideos und massig Bilder sortiert dort ablegte. Desweiteren musste ich eine Datenbank mit php-Unterstützung erstellen, damit meine Frau Ihre ca. 2000 Bücher (ja – richtige Bücher!) erfassen konnte. Es sollte aber von jedem Rechner,Tablett oder Handy realisierbar sein. Da ich mit Programmieren keine Probleme hab‘, erledigte ich das auch. Danach beschäftige ich mich noch mit Joomla und WordPress. Und wie soll es anders sein – natürlich, für die Kinder zum Testen, auch Serverbasiert.

Auch Frage 3 sollte man bedenken. Reicht ein normales Rechnergehäuse oder sollte es doch schon etwas kleineres sein, was man dann in die Ecke oder irgendwo versteckt aufstellt. Darf das System hörbar sein oder sollte es Lautlos seinen Dienst verrichten. Wieviel Speicherplatz benötige ich um Zukunftsorientiert zu sein, wie groß sollte die Systemplatte sein, Raid oder doch nicht? Welche Lan-Anbindung? Alles mit SSD-Platten? Wieviel Ram benötige ich? Welchen Prozessor soll ich nehmen? Kann ich vielleicht benötigte Teile mit meinen herumliegenden Sachen kombinieren? Hier meine Antworten.

Für mich war es von Anfang an klar, dass ich minimiert und weitgehend Geräuschlos arbeiten möchte. Also kam für mich nur ein mini-ITX in Frage. Speicherplatz erledigte sich von selbst. Da ich damals noch 3x 4Tb WD-Red Platten hatte und diese keine 2 Jahre auf dem Buckel hatten, entschloss ich mich, diese zu nehmen. Eine 64Gb SSD-Systemplatte kaufte ich mir. Ein übliches Raid wollte ich nicht und mit Snapraid bekam ich eine ideale Alternative. Arbeitsspeicher verwendete ich Anfangs 4Gb. Doch durch die erhöhte Benutzung von Nextcloud und Emby erweiterte ich vorsichtshalber auf 8Gb. Da ich Gbit-Lan-Anbindung im gesamten Haus verfügbar habe, war das Thema WLAN keine Überlegung wert. Einzigst Dual-Link (Link-Aggregation) wurde beim folgendem Serverbau berücksichtigt. Die nötigen Switches waren schon vorhanden. Auch die Möglichkeit, 10Gb-Netzwerkkarten zu nutzen, ziehe ich irgendwann in Betracht. Momentan steht das aber nicht an. Die Prozessorfrage stellte mich damals vor einen Gewissenskonflikt. Die Entscheidung würde ich, mit dem angesammelten Wissen und den momentanen Anwendungen, jetzt definitiv anders treffen. Warum Gewissenskonflikt? Nun ja. Als erstes sollte der Stromverbrauch des Systems so gering wie möglich sein. Das Ganze sollte auch in einem bezahlbaren Rahmen liegen. Und für die damalige (eigentliche) Verwendung war der J5005 (Pentium Silver) die erste Wahl. Zum Thema, komplett alles mit SSD`s zu realisieren, ist ein Gedanke, den man schnell vergessen sollte, Einzigst die Systemplatte und vielleicht eine weitere als Cache und/oder als Platte für die Config-Files sollten ein SSD-Laufwerk sein. Man profitiert einfach nicht als Normalanwender von SSD-Datenplatten. Der Flaschenhals wäre in diesem Fall nämlich das Gbit-Lan. Und dafür dann so viel mehr Kohle auszugeben, wäre schon sinnlos. Sollte ich herumliegende Teile verwenden? Gehäuse und vielleicht noch das Netzteil wären schon verwendbar. Bei allen anderen Sachen muss man schon differenzieren, wie alt die Sachen sind. Ich setzte lieber auf aktuelle Architektur. Und Festplatten, die älter als 4 Jahre sind, würde ich auch nicht mehr nehmen. Aber das sind persönliche Erfahrungen.

Kostenfaktor: Schön, wenn man hier und da sparen kann. Aber bedenkt, dass gerade bei einem SOC-System die Erweiterbarkeit sehr eingeschränkt ist und ich mittlerweile, bei der Verwendung als Hauptserver, davon leicht abrate.

Was soll man also nehmen? Ist dann doch nicht ganz so einfach zu pauschalisieren. Das J5005 mit Pentium Silver ist eine sehr gute Ausgangsposition. Mit 4 Sata-Anschlüssen bestückt, sehr geringer Stromverbrauch und sehr stabil. Allerdings fast nicht aufrüstbar, außer einer Ram-Erweiterung und einen kleinen PCIE-Anschluss. Für die meisten Anwender ist das ein sehr solides System. An die Grenzen kommt man, wenn 5 Filme gleichzeitig abgerufen werden (große Familie halt). Noch gibt es keine Probleme , dennoch denke ich, dass man so langsam an seine Grenzen des machbaren kommt. Und wer sich mit dem Thema „Transcodierung“ schon mal auseinandergesetzt hat oder das sogar verwenden möchte, weiß, dass da ohne extra Grafikkarte das Ganze doch schon sehr Prozessorlastig sein kann und man den Aspekt des „Stromsparens“ hier vergessen kann.

Zur Information! Mein J5005, Pentium Silver SoC kam mit 4Gb Ram vor einem Jahr knapp 200 €. Dazu kam dann etwas später mit 50€ der zweite Ram-Riegel. Die Spannungsversorgung musste auch noch her. Zu den damaligen Verhältnissen gab es einfach nicht vergleichbares.

Momentan gibt es auch von AMD mit dem „Athlon 200GE“ eine gute Alternative, die den „G5500T“ Paroli bieten soll und dazu noch günstiger ist. Auch soll dieser übertaktbar sein. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich da weiter mache.

Da zum damaligen Zeitunkt (Mai/2018) schon 6 Rechner Zugriff auf meinen Server haben, entschloss ich mich, vorsichtshalber, aufzurüsten.

Es wurde dann der Athlon 200GE. Damals noch mit folgender Konfiguration:

Betriebssystem: OMV4 auf Debian Stretch
Software: UnionFilesystem mfs , Snapraid, LEMP-Stack, rsync, Rsnapshot, Duplicati, SMB/CIFS, Fail2ban
Hardware: MSI B350M MORTAR, Athlon 200GE, MSI Core Frozr L -Lüfter, IN WIN 301C Micro-ATX Gehäuse, 2x 4Gb Ram, be quiiet! Straight Power 10, Transcend 64Gb M.2 SSD als Cache, 64 GB SSD für System, 3x 4Tb WD Red
Docker: emby/embyserver, linuxserver/nextcloud, 3x wordpress, linuxserver/calibre-web, linuxserver/heimdall, vimagick/glances, v2tec/watchtower

Den Athlon 200GE habe ich (Januar/2020) immer noch als Hauptserver am Werkeln. Mittlerweile mit OMV5, 3x 6TB WD Red und viel mehr Dockeranwendungen. Momentan sehe ich keine Notwendigkeit dieses System auszutauschen.

Summa Sumarum ein sehr stabiles System mit genügend Leistungsreserven.

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Das Einzigste, woran ich momentan gedanklich Interesse angemeldet habe, ist ein Ryzen 2400GE Prozessor. Dieser besitzt 4 Kerne mit 8 Threads und basiert ebenfalls auf TDP 35Watt. Allerdings ist dieser nur vereinzelt über China lieferbar und es werden da leider auch Fake-Prozessoren geliefert. Nach ewig langer Recherche habe ich einen Händler in Europa ausfindig machen können, der diese verkauft. Aber da kostet das Teil über 200€. Und das ist er mir definitiv nicht Wert. Also bleibt erst mal alles beim Alten.