Welche Serversoftware ist die Richtige?

Änderungsstand: 2020-07-11

Ich versuche die Vor- und Nachteile von 3 verschiedenen Server-Softwareanwendungen näher zu bringen. Ausgiebig testete ich Openmediavault 5, Proxmox und Unraid. Hier einige Eigenschaften:

OMV 5ProxmoxUnraid
SpracheMehrsprachigMehrsprachigNur Englisch *0
InstallationroutineIso->Stick->InstallIso->Stick->InstallNur Stick *1
Bevorzugtes Filesystemext.4ZFSxfs
andere Filesysteme verwendbarJaJaJa
Schwierigkeit Einrichtung (1-6 [1 sehr leicht] )22,52,5
Einsteigerfreundlich (1-6)2,52,52
Schnelles ZurechtfindenJaJaJa
Bevorzugtes Raidkeines bzw. SnapraidZFSEigene Anwendung *2
Andere Raids verwendbarJaJaJa
Platten unterschiedlicher Größe verwendbarJa (kommt auf den Anwendungsfall an)Nicht empfohlen (Pool Abhängig)Definitiv Ja
Als Hypervisor einsetzbarNicht ohne WeiteresJaJa
Docker verwendbar?Docker, Docker-ComposeCT (LXC-Container)Docker
VM’s verwendbar?Ja (kompliziert)Ja (sehr Anwenderfreundlich)Ja (sehr Anwenderfreundlich)
Durchreichen der Hardware an die VMNeinJa (Hardwareabhängig)Ja (Hardwareabhängig)
Web-GuiJaJaJa
Hardware-vorraussetzungMinimalRelativ Hoch *3Nach Anwendungsfall gestaffelt (minimal bis hoch)
KostenlosJaJaNein (30 Tage Testversion) *4

Einige Einträge dieser Tabelle stellen mein eigenes Empfinden dar. Das kann bei Euch abweichen.

*0) Diese Aussage trifft nur bis Version 6.8.x zu. Ab 6.9 ist unter anderem auch Deutsch verfügbar!

*1) Obwohl Unraid direkt auf einen Stick betrieben wird, stellt das in der Realität kein Problem dar, da die Daten des Sticks auf den Ram ausgelagert werden und von dort bereitgestellt sind. Da fast keine Schreibaktivitäten verzeichnet sind, hält der Stick ewig, vorausgesetzt, man entscheidet sich für einen USB2-Stick. Warum? Viele USB3-Stick entwickeln eine heftige Eigenwärme, die im Dauerbetrieb nicht gut sein kann.

*2) Unraid arbeitet hier etwas anders. Die Daten werden mittels einer (oder2) Paritätsplatten verarbeitet. Eine Paritätsplatte ist nicht unbedingt notwendig. Die Paritätsplatte ist die größte Platte im Array oder mind. so groß wie die größte Platte. Des Weiteren kann eine SSD (oder2) als Cache eingebunden werden. Der Cache wird in regelmäßigen Abständen auf die HDD’s geschrieben. Standardeinstellung ist Nachts gegen 3:30 Uhr. Der Nachteil ist, dass momentan noch keine SSD’s als Array-Platten empfohlen sind. Es funktioniert zwar trotzdem, aber Unraid gibt keine Garantie auf dieser Funktion.

*3) Da bei Proxmox im Normalfall ZFS verwendet wird, sollte man hier mehr Ram bevorzugen. Mythos hin oder her. Mind. 16GB Ram empfehle ich nach meinen wochenlangen Tests. ECC Ram wird zwar prinzipiell empfohlen, ist aber im Privatbereich nicht unbedingt essentiell. Proxmox und Unraid profitieren beiderseits von der CPU-Leistung, speziell wenn mehrere VM’s gleichzeitig betrieben werden. Hier wäre ein 4-Core mit HT/SMT eine Empfehlung, besonders wenn eine Win10-VM mit durchgeschleifter Hardware zum Zocken verwendet wird. Alles „kann“ aber kein „muss“. Mein Testsystem, mit einem Athlon 200GE (2 Cores / 4 Threads) und 16GB Ram funktionierte für meine Zwecke auch schon richtig gut. Openmediavault ist ziemlich Anspruchslos, was die Hardware angeht. Hier genügt ein Celeron-Prozessor mit 2 GB Ram. Möchte man etwas mehr Leistung, weil man z.B. einen Medienserver damit betreibt, verwendet man im Normalfall einen Pentium Gold oder einen Athlon 200GE, um noch etwas Reserven zu haben. Für intensive Nextcloudanwendungen und gleichzeitg Emby-Medienserver, besonders wenn die ganze Familie darauf zugreift, empfehle ich gerne mind, 8GB Ram.

*4) Während OMV und Proxmox kostenlos verfügbar sind, sieht das bei Unraid etwas anders aus. Hier staffelt sich der Preis, nach verwendeten Festplatten. Der einmalige Basispreis liegt bei 59$ für 6 angeschlossenen Storage Devices. Eine 30 Tage Testversion bietet genügend Zeit das System kennenzulernen.

Welches System sollte man denn nun verwenden?

Hier mache ich es mir sehr einfach.

Verwendet man keine Virtualisierung mittels VM und arbeitet prinzipiell mit Dockeranwendungen und verwendet Ordnerfreigaben auf Benutzerebene etc., empfehle ich definitiv Openmediavault. Fast jede Anwendung kann mittels Docker oder Docker-Compose eingebunden werden. Auch hat man mit Snapraid eine gute Datenintegrität, die allerdings erst nach einem Sync gegeben ist, was man aber automatisieren kann. Ausführliche Guides dazu findet Ihr auf diesen Seiten.

Benutzt man viele VM’s, ob zum Testen oder produktiv, sollte man sich Proxmox und Unraid anschauen. Für Proxmox spricht das integrierte ZFS und die relativ gute Gestaltung der Web-UI, welche aber auch bei Unraid sehr intuitiv ist. Unraid hat den Vorteil, dass man HDD’s unterschiedlicher Größe problemlos verwenden kann. Weiterhin dreht bei Unraid immer nur die Platte hoch, die gerade verwendet wird (+ die Paritätsplatte beim Schreiben, wenn aus irgendeinem Grund kein Cache verwendet wird). Dafür bietet Unraid aber keinen Geschwindigkeitsvorteil im Array gegenüber Proxmox mit ZFS. Bei Unraid wird der Geschwindigkeitsschub durch die Cache-Platte(n) erreicht.

Was verwende ich? Momentan läuft immer noch Openmediavault 5 auf meinen Server. Da ich aber so langsam Platzprobleme bekomme, weil ich viel auf mehreren Rechnern teste, überlege ich auch zu wechseln. Die Virtualisisierung in Proxmox und Unraid reizt mich schon sehr. Ich habe aber noch keine der beiden priorisiert, da ich immer noch Versuche fahre.

Update 1)

Je mehr ich beide Softwares parallel betreibe, merke ich, dass ich doch ein wenig mehr zu Unraid tendiere. Noch sind meine Tests nicht abgeschlossen. Alles, was ich bisher testete, funktionierte auf beiden Systemen. Was mir sehr gefällt, dass die NFS- und SMB-Freigabe direkt im Unraid verfügbar ist. In Proxmox muss man SMB virtualisieren und NFS etwas umständlich einbinden. Aber das macht man dann nur einmal und ist eigentlich auch nicht der Rede wert. Auch ist die Einbindung der VM’s und Docker in Unraid etwas einfacher. Das merkt man aber erst, wenn man beide Systeme gleichzeitig verwendet.

Update 2)

Fertige Templates, speziell die Turnkey’s im Proxmox, sind nicht immer aktuell. Hier wird bei den Docker in Unraid definitiv bessere Arbeit geleistet. Diese werden im Unraid direkt von DockerHub bzw. GitHub bezogen. Das gefällt mir definitiv besser. Allerdings gibt es in Proxmox fertige Templates mit Linux-Distributionen, was man bei Unraid vergebens sucht. Das wiederum wäre ein Pluspunkt für Proxmox.

Update 3)

Backups: In Proxmox sensationell gelöst. Egal ob VM, LXE-Container oder die Node selbst. Ein Kinderspiel. Gelöst habe ich das mittels NFS-Freigabe zu einem anderen Server. Auch nach mehreren Neuinstallationen von Proxmox, auch auf anderer Hardware, funktionierten die Restores immer bestens. Und das mit Proxmox-eigenen Mitteln. Bei Unraid muss man sich mit zusätzlichen Addons behelfen, um alles abzudecken. Ein dicker Pluspunkt für Proxmox! Die Backups der Daten löste ich in beiden Fällen mit rsync, auch Serverübergreifend. Das funkionierte bei beiden Anwendungen gleichermassen gut.

Update 4)

Verrückt. Dank eines Videos von „The Geek Freaks“ installierte ich nebenbei ZFS mit zusätzlichen 2x 1TB-Platten auf Unraid (Festplatten habe ich mittlerweile wieder da 🙂 .

Update 5 – erstes Fazit)

Zocken auf Unraid mit durchgeschleifter Hardware? Und das fast ohne Verlust? Klingt wirklich gut. „The Geek Freaks“ erklärt, wie das funktioniert. Ein ganz sympatischer Typ, manchmal etwas hippelig, aber irgendwas is ja immer. Und ich möchte noch erwähnen, dass wir immer noch bei einem Home-Server sind. So eine Maschine, wenn man diese als Zocker-PC verwenden will, hat, mit Serveranwendung im Privatbereich, sein Ziel weit verfehlt. Das ist meine Meinung zum Thema 🙂

Wäre ich finanziell etwas besser betagt, würde ich das sogar selbst testen. Aber mein Win10-Rechner hat nur einen PCIE-Anschluss und keine interne Grafik. Und mein Server bräuchte wiederum ein Update des Prozessors und des Netzeils. Dieser hat allerdings interne Grafik und 2 PCIE-Ports. Und nehmt mir es nicht übel, wenn ich meine beiden Hauptsysteme nicht aus- bzw. umbaue. Das Testen von 2 Softwares, parallel, ist schon stressig genug. Und die Anfängerguides werden daraufhin auch Zeitnah erstellt.

Je mehr ich mich mit den 2 Systemen (Unraid & Proxmox) beschäftige, umso unentschlossener werde ich momentan, welches der beiden ich nun favorisieren sollte. Das Arbeiten mit Unraid macht mir etwas mehr Spaß. Auch die Vielfalt der angebotenen Docker überzeugt für’s Erste. Aber viele Docker funktionieren erst nach langer „Friemelei“. Am 2. Tag hatte ich keine Probleme mehr damit. Wenn man erst mal weiss, wie das funktioniert, kein Thema. Docker und VM’s zu sichern ist auch nicht geade ein Kinderspiel. Zwar werden dafür APP’s angeboten, aber die Einarbeitung ist auch hier wieder langwierig. Proxmox hat eine integrierte Backupstrategie, die mir sehr zusagt. NFS zu einem anderen Server einrichten, Backup der VM’s und/oder LXC-Container starten, fertig. Auch das Restore gestaltet sich so einfach wie das Backup. Des Weiteren gefällt mir sehr, dass ich eine erstellte VM oder Docker einfach klonen kann. Das erspart Zeit, wenn man viel testet. Allerdings ist das ZFS nicht unbedingt meins (mir ist bewusst, dass ohne das Eine das Andere nicht funktionieren würde (ZFS und Backup auf Snapshotebene)). Jedenfalls bin ich mit meiner momentanen Hardwarelösung nicht zufrieden. Ich habe zu viele Platten unterschiedlicher Größe. Selbst wenn ich diese in unterschiedlichen Pools packe, steht der Kostenfaktor „Stromverbrauch“ im Raum. Immerhin würden dann insgesamt 6 HDD’s und 3 SSD’s immer durchgängig werkeln. Bei Unraid ist das wiederum entspannter. Da laufen nur die Platten an, auf die gerade Zugriff erfolgt.

Was könnte ich also tun?

Um Unraid zu nutzen, würde ich die „Basic“ Variante für $59 kaufen und könnte bis zu 6 Platten einbauen. Weiterhin würde ich die meisten Docker, mit ausschließlich internem Zugriff, mittels Docker-Compose auf einer Openmediavault-VM oder direkt auf einer Debian-Server-VM ausführen. Da kenne ich mich aus. Anwendungen, die Zugriff von Aussen haben sollen, wie z.B. Nextcloud und WordPress für die Kid’s, würden in einer weiteren VM, mit Traefik und SSL, kommen. Emby und Heimdall würde ich als Docker direkt in Unraid verwenden. Das funktioniert bestens. Da Backups ausgesprochen Schei….benkleistermässig behandelt werden, muss ich wohl zu einer (oder 2) Paritäts- und Cacheplatte(n) greifen. Unter anderen Umständen könnte man im Gbit-Lan darauf verzichten. Nicht falsch verstehen! Ein Backup meiner anfallenden Daten und Datenbanken mache ich separat! Mich nervt nur, dass die Paritätsplatte(n) auch als Laufwerk(e) mit angerechnet werden. Darauf wollte ich ursprünglich verzichten.

Um Proxmox zu verwenden, würde ich die Plattenmenge auf ein Minimum reduzieren. 2x 8TB im Mirror und eine zusätzliche SSD als Aufbewahrungsort für Docker und VM’s. Oder 4x 4TB als Raid10. Hier wäre der Zugriff etwas schneller, aber es sind schon wieder 2 weitere Platten, die 24/7 Strom verbrauchen. Cache benötige ich in Proxmox nicht. Im Gbit-Lan ist das mehr als akzeptabel. Die Verwendung meiner Docker würde ich ähnlich, wie zuvor in Unraid beschrieben, gestalten. !!! Ach das funktioniert hier nicht. Das Angebot der Templates ist sehr bescheiden.

Als nächstes teste ich die Geschwindigkeit des VM-Zugriffes von einem anderen Rechner aus. Getestet werden unterschiedliche Linux-Distris mit XFCE und KDE und Windows 10. Alles virtualisiert, ohne durchreichen von Hardware.

Update 6)

Wenigsten bei diesem Tests gibt es keinen Gewinner. Alle VM’s funtionieren gleichermassen schnell bzw. langsam, wie man will.

Update 7 – Abschluss)

So langsam kristallisiert sich ein Gewinner heraus, der meine eigenen Bedürfnisse abdeckt. Zwar nicht zu 100% – aber irgendwas findet man immer, wenn man danach sucht. Ich gebe eine kurze Zusammenfassung, da alles (oder das Meiste) zuvor schon erwähnt wurde.

Proxmox hat eine sehr gute Umgehensweise mit Backups. Diese und auch die Restores funktionierten immer. Des Weiteren finde ich das Klonen der VM’s und CT’s einfach Weltklasse. ZFS ist eine Sache für sich. Der eine mag es, der andere nicht. Ich muss gestehen, dass ich in den letzten 2 Wochen sehr viel über ZFS gelernt habe und es mittlerweile zu Schätzen weiss. Proxmox ist kostenlos. Proxmox beherrscht das Clustering, für mich im Privatbereich nicht unbedingt wichtig, aber sehr ein sehr zukunftorientiertes Feature. Die Anzahl der Templates finde ich nicht so berauschend. Viele meiner Docker, die ich gern verwenden würde, werden nicht angeboten. Da müsste ich mir mit VM’s oder selbst erstellte Templates weiterhelfen.

Unraid hat eine überdurchschnittliche Umgehensweise mit den Ressourcen des PC’s. Soll heissen, dass eine viel geringere Hardwareanforderung vorausgesetzt ist. Die Verwendung von vielen Platten merkt man nicht unbedingt an den Stomkosten, da nur die Platte hochfährt, die gerade benötigt wird. Da kein ZFS verwendet wird, fallen natürlich auch die Vorzüge eines ZFS ins Wasser. Dafür kann ich aber jede Plattengröße auch nachträglich einbauen und in’s Array einbinden. Das kann ZFS nicht so einfach. Unraid gibt auch eine Datenintegrität mit, gelöst über eine oder zwei Parity-Platten, ähnlich wie Snapraid, nur immer aktiv. SMB, NFS usw. sind bei Unraid im System schon eingebunden. Was mir auch sehr zusagt, dass es eine sehr große Vielfalt an Apps gibt, wo dementsprechend auch sehr viele Docker vorhanden sind. Die Systemsprache ist Englisch. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Und was war das Letzte? – Sauerkirschen 🙂 Ne. Die Backupstrategie von Unraid ist fürchterlich. Da muss man sich mittels Apps oder Scripte selbst helfen. Einzigst das Backup des Sticks ist sehr gut gelöst. Unraid ist nicht kostenlos!

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Ich habe mich, nach langem hin und her, für Unraid entschieden, muss aber gestehen, dass ich trotzdem ein Auge auf Proxmox geworfen habe. Meine persönlichen Gründe waren dann doch die Vielfalt an Apps, die Unraid zur Verfügung stellt, wenn auch mehr oder weniger durch das Einbinden der Community-App. Weiterhin habe ich nur Einmalkosten von $59 und kann meine vorhandene Hardware weiter verwenden. Das Upgrade der Hardware wäre teurer. Das schließt auch meine vorhandenen Festplatten ein.

Spätestens nach einem Upgrade meines Gigabit-Lan auf 10Gigabit-Lan, werde ich die beiden Softwares noch einmal gegenüberstellen. Ich habe so das Gefühl, dass dann Proxmox mehr Netzwerkgeschwindigkeit herausholen kann. Aber das ist momentan nur so ein Bauchgefühl, trotz der Evo 970-NVMe, die ich mittlerweile in Unraid als Cache verwende. Das gute daran ist, dass ich Proxmox auch als VM auf Unraid betreiben kann 🙂 . Somit bleibe ich jedenfalls auf dem Stand der Dinge, wenn bei Proxmox Updates erscheinen.